Gesellschaft

phil.cologne 2017

Lilith Woesler · 14.07.2017

(c) phil.cologne 2017 - Ast, Juergens

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Das Auto ist ein Stehzeug. Kein Fahrzeug.

von Caroline Mülheims

Als am Donnerstagabend, dem 8. Juni die Tore zum roten Saal der Comedia geöffnet wurden, war jeder der rund 50 Besucher davon ausgegangen, dass im Rahmen der Phil.Cologne essenzielle Fragen über autonomes Fahren debattiert und diskutiert werden. Doch wie das bei Philosophie so der Fall ist, weiß man am Anfang eines Gespräches nicht, wie es enden wird.

Autonomes Fahren

Ein autonom fahrendes Auto ist in der Lage mit Hilfe verschiedener Technologien den Fahrer teilweise oder vollkommen zu ersetzen. Momentan ist es rechtlich nicht möglich, Autos zu nutzen die den Fahrer nicht mehr benötigen. Der Grad des autonomen Fahrens wird in fünf verschiedenen Stufen angegeben. In der ersten Stufe steuert der Fahrer das Auto; in der fünften Stufe das Auto sich selbst.

Viele ethische und rechtliche Fragen sind hin zu dieser Stufe noch nicht geklärt. Wie soll ein Auto entscheiden, wenn ein Unfall unvermeidbar ist? Wer wird für so einen Unfall verantwortlich gemacht, Fahrer oder Hersteller? Darf man im Voraus über Wohl und Weh von Menschen bestimmen? Sind diese Fragen nicht geklärt kann autonomes Fahren nicht möglich werden.

Alle Besucher hatten erwartet, nach anderthalb Stunden Diskussionsrunde eine Vorstellung davon zu haben, wie man die philosophischen, ethischen und technischen Fragen zu selbstfahrenden Autos klären kann: „Ja, diese Technologie wird eine Zukunft in Deutschland haben, wir müssen nur an dieser Schraube drehen und schon wird das mit den selbstfahrenden Autos kein Problem mehr sein“. Im Leben gibt es aber nie einen einfachen und klaren Weg und so wurde auch hier vor allem aufgezählt, an welchen Punkten es momentan noch scheitert.

Das Auto als Unabhängigkeitssymbol

Der Deutsche an sich ist ein freiheitsliebendes Wesen, so die einheitliche Meinung der beiden Professoren Herr Rammler und Herr Merkel. Und er will gar nicht die Kontrolle, seinen großen Schatz, sein Statussymbol, seine Unabhängigkeit an eine Maschine abgeben. An etwas, dass ihm fremd ist, an etwas, dass er nicht versteht. Und was er nicht versteht, dem vertraut er nicht.

Die Lösung: Car-Sharing

Eine weitere Meinung der beiden war ebenso klar: Es müssen weniger Autos in Deutschland fahren. Denn je mehr Autos fahren, desto zäher wird der Verkehr und umso mehr wird die Mobilität, die man mit dem Auto eigentlich erreichen will, eingeschränkt. Die Lösung: Car-Sharing. In den Städten werden immer öfter solche Angebote genutzt. Auch öffentliche Verkehrsmittel führten dazu, dass Städter eher auf ein Auto verzichten würden als Landbewohner.

Eine Frage von Zeit und Ressourcen

Herr Rammler bemerkte: „Ein Auto, das 23 Stunden am Tag steht ist a) eine Ressourcenverschwendung und b) ein „Stehzeug“ und kein Fahrzeug. Leute, die ihr Auto so benutzen beziehungsweise nicht benutzen müssen sich die Frage stellen, ob ein Fahrrad für sie nicht eine billigere und ressourcenschonendere Alternative ist. Es geht nicht nur um die Ressourcen der Erde, sondern auch die des einzelnen Menschen; genauer gesagt, um seine Zeit.

Die Frage ist: Kann sich der Mensch leisten, stundenlang in einem Stau zu stehen, wenn er mit dem Fahrrad deutlich schneller wäre? Und so war ein eindeutiges Plädoyer der Professoren, dass ein Auto, gerade in Städten, nicht der heilige Gral ist.

Tags: Festival , Gesellschaft , Politik , Soziales , Technik

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